Renaissance der ländlichen Räume

Juli 2018, Sixthof Stadl, Aying
 

Was zeichnet die ländlichen Räume aus? Welche Chancen bieten sie – gerade in der Region München? Wie können Kommunen, Staat und Gesellschaft die Entwicklung positiv beeinflussen? Und wie lässt sich der Strukturwandel in unseren ländlichen Räumen mit der Landwirtschaft vereinbaren?

Diese und weitere Fragen diskutierten Kommunalpolitiker, Fachleute und Wissenschaftler unter der Moderation von Journalist Stefan Parrisius auf der Veranstaltung „Renaissance der ländlichen Räume“ des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) Anfang Juli 2018 im Sixthof Stadl in Aying. Vorträge beleuchteten diverse Aspekte der Siedlungsentwicklung, der Landwirtschaft und der Attraktivität des ländlichen Raums. Politische Vertreter unserer Mitgliedskommunen präsentierten ausgewählte Beispiele zur Ortsentwicklung.

Rückblick und Impressionen zur Veranstaltung

Am 05. Juli 2018 fand im Sixthof Stadl des Brauereigasthofes Hotel Aying eine Veranstaltung des PV mit dem Titel Renaissance der ländlichen Räume statt.

Mehr als 70 Teilnehmer, darunter Landräte, Bürgermeister, Fachleute aus Verwaltung und Wissenschaft sowie Vertreter der Regierung von Oberbayern, der Handwerkskammer und der Stadtwerke sowie von Vereinen wie etwa der Europäischen Metropolregion München e.V. dem Isartalverein kamen zu unserer Veranstaltung, um sich zu informieren und auszutauschen.

Begrüßung

Josef Bachmair, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Aying, eröffnete mit einem Grußwort die PV-Veranstaltung „Renaissance der ländlichen Räume“ im Sixthof Stadl des Brauereigasthofes Hotel Aying. Der Sixthof Stadl, eine alte, aufwändig renovierte Scheune aus dem 15. Jahrhundert, bot den passenden Rahmen zum Thema. Dort befand sich Ende bis des 19. Jahrhunderts die erste Brauerei in Aying.

 

Einführung

PV-Geschäftsführer Christian Breu erläuterte in seiner Einführung, dass der PV mit dieser Veranstaltung den fachlichen und politischen Austausch über die Entwicklungschancen der ländlichen Räume in der Region Oberbayern fördern und stärken möchte. Dabei soll besonders die Eigenständigkeit der ländlichen Räume berücksichtigt werden.

Für den Begriff „ländliche Räume“ im Plural habe sich der PV bewusst entschieden: „Unsere Region ist sehr vielgestaltig (Vergleich Ammersee und Erdinger Holzland) und man kann daher nicht von einem ländlichen Raum spreche“, führte Breu aus.

Für Breu sind folgende Bedingungen für eine positive Entwicklung der ländlichen Räume in der Zukunft wichtig:

  • Stabile demografische Basis, und dafür ist Zuwanderung nötig, denn die Sterbefälle übersteigen künftig die Geburten
  • Weiterentwicklung der Orts- und Landschaftsstrukturen, das betrifft die Verkehrsinfrastruktur, die soziale Infrastruktur wie Kinderbetreuung und Bildung, Wohnen im Alter, Versorgung mit Lebensmitteln, Ärzten etc., das bedeutet aber auch eine relative, ortsangepasste Verdichtung (auch qualitativ)
  • Positive Emotionen, d.h. die Aspekte, die gut und positiv sind wie etwa die Landschaft, herauszustellen und in Emotionen umzubauen

Vorträge: Renaissance der ländlichen Räume?

Ländliche Räume in der Region München: Geschichte und Gegenwart

Vortrag Prof. Dr. Hansjörg Küster, Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover

In seinem Vortrag beleuchtete Prof. Dr. Hansjörg Küster beleuchtete die Entwicklung der ländlichen Räume in der Region München. Er verglich früher und heute und führte dabei folgende Punkte aus:

  • Attraktive Landschaft, attraktive Stadt
  • Jahrhundertelange bäuerliche Prägung (Acker- und Weideland)
  • Reformen und Nachhaltigkeit (Agrarreformen im 18. und 19. Jahrhundert sowie Wiederaufforstung der Wälder)
  • S-Bahn: Alles wird neu (Transport der Menschen zwischen ländlichem in den städtischem Raum)
  • Bindungen der Menschen an den Ort? (Diese und auch die nächste Generation sollen bleiben ebenso wie die Leute, die in die Orte zuziehen)

Wichtig ist Herrn Prof. Küster der Dialog miteinander, die Kommunikation untereinander: Politik und Bevölkerung müssten sich mit der Entwicklung in ihrem Ort, in ihrer Gemeinde, in ihrem Dorf beschäftigen und sich auch darüber auszutauschen, was sich verändert hat, was das der Gemeinschaft bringt und wie es weiter geht.

Landwirtschaft prägt das Gesicht der Kulturlandschaft Bayerns

Vortrag Rita Behl, Kreisbäuerin Landsberg am Lech, Bayerischer Bauernverband und Milchbäuerin im Vollerwerb

Rita Behl beschrieb in ihrem Vortrag den Wandel in der Landwirtschaft, den Dörfern und damit auch in den ländlichen Räumen der Region aus ihrer persönlichen Erfahrung. Die Familie Behl bewirtschaftet selbst einen Hof mit Milchvieh im Vollerwerb im Ortsteil Dettenschwang in Dießen am Ammersee. Sie erläuterte, wie die Höfe heute bewirtschaftet werden, was man dafür braucht und welche Hindernisse bestehen.

Ihr Fazit: Landwirtschaft und Menschen prägen nach wie vor die ländliche Struktur. Der Landwirt denkt und investiert in Generationen. Und er versucht, dem gerecht zu werden, was von ihm gefordert ist. Die Entwicklungen werden jedoch immer rasanter und es herrscht große Untersicherheit: Was will die Bevölkerung? Was will die Politik? Was wird gebraucht? Die Entwicklung muss von allen getragen werden – im Verständnis füreinander.

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Glockengeläut statt Glitzerleben – gut geLANDet

Vortrag Angie Sebrich, ehemalige Medienfrau von MTV und Antenne Bayern, heute Herbergsmutter und Autorin

Angie Sebrich schilderte in ihrem Vortrag anschaulich, warum sie von der Stadt aufs Land gezogen ist, was sie dazu getrieben hat, wie das funktioniert. Sebrich war Kommunikationschefin des Musiksenders MTV und viel unterwegs. 2001 hat sie dem Glamour der Musikbranche den Rücken gekehrt, um gemeinsam mit ihrem Mann die Jugendherberge Sudelfeld in Bayrischzell zu leiten. Als Motivation nannte die gebürtige Garmisch-Partenkirchnerin Heimatgefühle und eine Verbindung von Herz und Hirn durch das Leben auf dem Land, kurzum „weniger Glitzer, mehr Glockengeläut“ oder anders ausgedrückt „Alpenglühen statt Fernsehflimmern“.

Ihr Fazit: Landflucht wird es in unserem Raum eher nicht geben. In einer komplett beschleunigten Gesellschaft wie unserer bietet der ländliche Raum Rückzugsorte.

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Beispiele & Diskussion: Zukunft unserer Orte – Aspekte der Ortsentwicklung

Beispiele Siedlungsentwicklung

Unter der Moderation von Stefan Parrisius, stellten vier Vertreter aus PV-Mitgliedskommunen unterschiedliche Beispiele zur Siedlungsentwicklung in der Region München vor.

  • Landrat Martin Bayerstorfer, Landkreis Erding
  • Johann Wiesmaier, Bürgermeister der Gemeinde Fraunberg
  • Josef Lutzenberger, Bürgermeister der Gemeinde Utting am Ammersee
  • Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer gwt Starnberg, Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg GmbH

Zu den Beispielen

Diskussion mit Publikum und allen Rednern

In einer Diskussion erörterten Publikum und Referenten intensive verschiedene Aspekte rund um die ländlichen Räume. Das ging von Fragen Wie lassen sich Treffpunkte schaffen? Und Wie gelingt die Bindung an den Ort? über gesetzliche Regelungen – gerade im Außenbereich – bis hin zu Forderungen nach mehr Selbstständigkeit für die Gemeinden, wenn es um die Dorfentwicklung gehe, und zu einem Landschaftsvertrag. Prof. Küster plädierte dafür, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden und sich Gedanken zu machen, wie wir mit der Fläche umgehen, da diese begrenzt sei und es viele Wünsche gebe.

 

Juli 2018

Handout
Ländliche Räume

Was kennzeichnet die ländlichen Räume unserer Region? Wie haben sie sich entwickelt? Und wo geht der Trend hin?
Dafür hat der PV einige Daten ausgewertet.

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